Geschichte Fussball 1924

                                                 
                                            Die ersten Weltmeister: Uruguays 1924. (aus Hennes Weisweiler)
   Bereits früh wurde der Fußball im Programm der Olympischen Spiele der Neuzeit aufgenommen. Nahezu sämtliche Teilnehmer stammten zunächst vom europäischen Kontinent, da die Spiele abgesehen von denen in St. Louis ausnahmslos in Europa stattfanden und es außereuropäischen Mannschaften finanziell schlicht nicht möglich war, die lange Reise anzutreten. In der Fußball-Disziplin nahm erstmals bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris eine südamerikanische Mannschaft teil: Uruguay. Finanziert wurde die mehrwöchige Schiffsreise nach Europa von einem Zahnarzt aus Montevideo. Er ließ 15 der besten Fußballspieler seines Landes zusammenstellen.

Dänemark, Großbritannien, Österreich und Ungarn waren die zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgreichsten Fußball-Nationen Europas. Dass der Fußball auch in anderen Erdteilen praktiziert wurde, war bekannt, wurde aber nicht besonders beachtet. Besonders England gefiel sich in seiner Rolle als „Mutterland des Fußballs“, und so beschäftigte sich niemand mit der äußereuropäischen Entwicklung des Sports, etwa in Südamerika. Dort nämlich war der Fußball mindestens ebenso beliebt und wurde bereits sehr viel früher als im festländischen Europa professionell betrieben. Profiligen gab es bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Den Europäern war dies nicht bekannt und so kam es, dass die bei den Olympischen Sommerspielen 1924 zunächst belächelte Mannschaft aus Uruguay aller Konkurrenz läuferisch, taktisch und technisch höchst überlegen war. URUGUAY gewann nach vier Spielen mit 18:1 Treffern die Goldmedaille.

Bei den Wettbewerben 1928 wiederholte sich die Überraschung mit nur einem kleinen Unterschied: Nun hatte man auch in Argentinien Lunte gerochen. Europa wurde gleich doppelt von den Südamerikanern vorgeführt. Nur wenig überraschend stießen im Finale die Mannschaften aus Argentinien und Uruguay aufeinander. URUGUAY Letztere gewann im Wiederholungsspiel und war Doppelolympiasieger.

                                                                     
                                                                    Foto: (aus Hennes Weisweiler).

Alle Spiele der ersten Weltmeisterschaft wurden in nur einer Stadt ausgetragen, in Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Ursprünglich sollten alle Spiele im neu gebauten Centenario-Stadion stattfinden. Es konnte aber nicht rechtzeitig fertig gestellt werden, weil eine lang anhaltende Regenperiode die Bauarbeiten stark beeinträchtigte. Als am 18. Juli 1930, fünf Tage nach der Eröffnung dieser WM, endlich das erste Spiel im Stadion stattfinden konnte, befand sich die Nordtribüne zum Teil noch im Bau. Zu diesem Zeitpunkt bot die Betonschüssel bereits 80.000 Zuschauern Platz. Nach der Fertigstellung wies es für damalige Verhältnisse gleich drei Besonderheiten auf: Erstens war es mit fast 100.000 Plätzen das größte Stadion der Welt. Zweitens war es ohne Laufbahn, als reines Fußballstadion konzipiert und drittens war das Stadion nicht oval, sondern beinahe rund.

                                                          
                                                      Centenario Montevideo  Uruguay Weltmeister 1930
Das Turnier 1930 war eigentlich eine Enttäuschung: Nur vier Mannschaften aus Europa machten sich auf zu einer dreiwöchigen Schiffsfahrt mit anschließendem Fußballturnier, drei von ihnen gemeinsam mit dem Weltpokal und dem FIFA-Präsidenten Jules Rimet mit dem italienischen Luxusliner Conte Verde. Die Rumänen wurden von ihrem König gesponsert, der daraufhin den Beinamen "der Fußballer" bekam. Andere starke europäische Nationen wie Deutschland, Österreich, Spanien und England nahmen nicht an der WM teil. Letztere waren beleidigt, da sie meinten, dass sie als Mutterland des modernen Fußballs Gastgeberland sein müssten. Es war die einzige Weltmeisterschaft, bei der es keine Qualifikation gab.

Vor nur 500 Zuschauern und im Schneegestöber ging am 13. Juli das erste Spiel über die Bühne. Nach 19 Minuten erzielte Laurent mit einem Distanzschuss das erste Tor des Turniers und legte damit den Grundstein für Frankreichs 4:1-Sieg gegen Mexiko. Der Favorit aus Uruguay, der auch schon das olympische Fußballturnier in Paris 1924, sowie das in Amsterdam 1928 gewonnen hatte, setzte sich in seiner Gruppe souverän durch, ebenso Jugoslawien und Argentinien.

Die Überraschung des Turniers waren die US-Amerikaner, die Gruppensieger wurden und das Halbfinale komplettierten. Argentinien und Uruguay gewannen im Halbfinale jeweils 6:1 gegen die Vereinigten Staaten bzw. Jugoslawien. Argentinien profitierte übrigens im gesamten Turnier von vielen katastrophalen Aussetzern der Schiedsrichter: Gegen Frankreich führten die „Gauchos“ 1:0, als Langiller für Frankreich alleine auf das argentinische Tor zulief, pfiff der brasilianische Schiedsrichter Rego ab – vier Minuten zu früh. Die restlichen vier Minuten wurden zwar dann doch noch nachgespielt, aber eine ähnliche Chance ergab sich nicht mehr.

Vor dem Finale konnte man sich nicht auf das Spielgerät einigen. Also spielte man in der ersten Hälfte mit einem argentinischen Ball und in der zweiten mit einem aus Uruguay. Zur Halbzeit führte Argentinien überraschend 2:1. Doch dank Ball und des herausragenden Andrade gewann Uruguay verdient mit 4:2.  Auf Wunsch des Schiedsrichters wurde den Zuschauern beim WM-Finale 1930 untersagt, Revolver zu tragen.

TSV Kronshagen 1924 (Foto Stadion Platz 1)